
interfraktioneller Antrag: Einkaufszentrum Böfingen
22. Oktober 2026interfraktioneller Antrag: Baumschutzverordnung

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Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
der vergangene heiße Sommer hat gezeigt, was uns in den nächsten Jahren erwarten wird.
Mitteleuropa erhitzt sich überdurchschnittlich schnell und die Auswirkungen auf die
Gesundheit der Menschen und die Ernten in der Landwirtschaft und die Transporte auf
Flüssen waren extrem. Gerade Baden-Württemberg war mit ca. 3.600 Hitzetoten, d.h. 32
Menschen pro 100.000 Einwohner:innen besonders belastet.
Hitzebelastung ist in Städten ein immer drängenderes Problem. Gleichzeitig werden
Grünflächen nicht systematisch erhalten und flächendeckend ausgeweitet. Im Gegenteil:
Grünverlust und Versiegelung schreiten in vielen deutschen Städten weiter voran. Obwohl
die Folgen bereits spürbar sind, tun viele Städte noch zu wenig, um bestehende
Grünflächen zu schützen, neue Flächen zu schaffen und Stadtgrün langfristig zu sichern.
Ulm geht einen guten Weg mit Entsiegelungen und Neupflanzungen von jungen Bäumen.
Die Aufwertung der Fußgängerzone und die Landesgartenschau werden hoffentlich ein
weiterer Schritt in die Richtung für mehr Grün und für eine gute Lebensqualität in der
Stadt sein.
Stadtgrün schützt vor Hitze, speichert Wasser, stärkt Biodiversität und Gesundheit und
macht Städte widerstandsfähiger. Bäume und Grünflächen verschatten aufgeheizte
Oberflächen, kühlen durch Verdunstung und verbessern das Mikroklima in Straßen, auf
Plätzen und in Wohnquartieren. Studien zeigen, dass Stadtbäume die Temperatur auf
Fußgängerebene je nach Standort und Klima um bis zu 12 °C senken können. Grün in der
Stadt ist auch eine Gesundheitsfrage. Wohnungsnahe Grünflächen senken Hitzebelastung,
fördern Bewegung, soziale Begegnungen und können Stress, Lärm und
Luftschadstoffbelastungen mindern.
Über 900.000 Bäume sind hochgerechnet im Zeitraum von 2018 – 2025 deutschlandweit
verloren gegangen.
Deshalb ist gerade jetzt die schon seit Jahren geforderte Einführung einer
Baumschutzverordnung dringend notwendig. Der Schutz von großen, alten Bäumen mit
einer breiten Überschirmung setzt ein einzigartiges Gegengewicht zur Hitze und
Trockenheit in der Stadt.
Ein konkretes Beispiel aus der Ulmer Innenstadt soll deutlich machen, warum diese
Baumschutzverordnung so wichtig ist:
Im Viertel „Auf dem Kreuz“ wurden im Zuge der Sanierung des Gebietes Mitte der 80 Jahre
zahlreiche Bäume gepflanzt, die mittlerweile alle knapp 50 Jahre alt sind. Linden,
Baumhasel, Amber, etc. Diese Bäume stehen in einer Großzahl auch auf öffentlich
zugänglichem, jedoch teilweise privatem Grund. Eine Fällung dieser Bäume wäre daher
ohne weiteres möglich – eine Nachpflanzung von städtischer Seite aus nicht. Zu den
Sanierungsschwerpunkten des Gebietes damals werden auf der Webseite der
Sanierungstreuhand u.a. „Entsiegelung und Begrünung“ genannt. Ein Vorhaben, das
durchaus erfolgreich gewesen ist und dem Viertel seinen besonderen Charakter gegeben
hat – aber ohne besonderen Schutz der Bäume leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird.
Gerade in der Innenstadt, in der wenig Platz für neue Baumpflanzungen gegeben ist,
haben Bäume – auch oder gerade auf privaten Flächen – eine noch viel größere Relevanz,
die es zu schützen gilt.
Wir bitten die Verwaltung sich daher nochmals, aktuell und zügig diesem Thema
anzunehmen und danach in den Gemeinderat zu bringen.
Die Zeit drängt. Klimawandelbedingte Katastrophen dürfen nicht als eine neue Normalität
hingenommen werden. Jede Entscheidung, die der Klimakatastrophe entgegenwirkt, ist
wichtig. Beispiel könnte die Baumschutzverordnung von Berlin sein.
Mit freundlichen Grüßen
Für die kjt-Fraktion
Samy Wiltschek
Stadtrat
Emilia Schneider
Stadträtin
Bastian Röhm
Stadtrat
gez. Haydar Süslü
Für die SPD-Fraktion
gez. Samuel Rettig
für die Grünen-Fraktion
gez. Angritt Scheuter
FWG-Fraktion
